KONTEXTILLUSIONEN





Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der traditionelle Rahmen der figurativen Skulptur radikal gesprengt und die Idee des Körperlichen einer Neuinterpretation unterzogen. Die Grenzen zwischen Objekt, Installation, Raumkunst und Performance verschwanden und dreidimensionale Konzepte wurden in den verschiedensten Medien bis hin zu Film und zur Fotografie umgesetzt. Ebenso wurde die Einbeziehung neuer Werkstoffe prägend für die zeitgenössische Skulptur. Textile Materialien und die damit verbundenen Techniken erhielten eine neue Bedeutung als adäquate Werstoffe für die Umsetzung von thematischen Inhalten des Körperlichen im Kontext von Umhüllung, Haut, Oberfläche, Kleidung und Identität an der Schnittstelle zwischen Skulptur, Fotografie und Video. Das Motiv der Kleidung erhält dabei stets eine aktuelle Brisanz, da allein an der äußeren Erscheinung gesellschaftliche Zuschreibungen und Identitäten festgemacht werden. Das „Körperkleid“ wird nicht selten zur Hülle, die zugleich Schutz als auch Panzer sein kann. Sowohl kritisch als auch in einer ironisch-humorvollen Interpretation thematisieren die Künstlerinnen die Konstruktion einer Selbstbetrachtung und einer Sicht von Außen. Die leere Hülle wird zur Metapher und verweist auf den Körper bzw. auf seine Abwesenheit. Andere Positionen stellen das Textil als Werkstoff per se in den Mittelpunkt: als Ausgangspunkt rein kunstimmanenter Überlegungen und Konzepte wie Oberfläche, Struktur und Form. Die Ausstellung versucht diese verschiedene Aspekte die mit dem Material Textil verbunden sind darzustellen und auch die Bandbreite der Medien vom Objekt bis hin zur Fotografie einzubeziehen.
Ausstellunginfo: Kontextillusionen